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Psychiatrisch-psychotherapeutische Betreuung bzw. Behandlung für schwer herzkranke Kinder und ihre Familien – braucht’s das?

Die Diagnose eines potentiell lebensbedrohlichen Herzfehlers ist ein Schock (eine psychische und physische Extrembelastung) für die ganze Familie – nicht nur für das betroffene Kind. Panische Angst um das Überleben des Kindes, das Gefühl von Hilflosigkeit und die Ungewissheit wie es weitergeht quälen die Familie und, je nach Alter unterschiedlich, das betroffene Kind. Es kann lange – Wochen bis Monate – dauern bis das Kind vom Krankenhaus wieder nach Hause kann. Oft ist es dann nicht „einfach geheilt“ sondern bleibt aufgrund von Restbefunden ein chronisch krankes Kind. Es braucht regelmässige medizinische Kontrollen, evtl. Medikamente und vielleicht auch wieder Eingriffe am Herzen, d.h. Herzoperationen oder Herzkatheter. Es kann bei einigen auch immer wieder zu akuten, bedrohlichen Verschlechterungen des Gesundheitszustandes kommen, die dann erneut traumatisierend sein können und dann möglicherweise alte Traumatisierungen reaktivieren. Dies hinterlässt Spuren. Bis zu einem Drittel der betroffenen Mütter und ein Fünftel der Väter leiden unter posttraumatischen Stresssymptomen. Die betroffenen Kinder haben ein 2-3 fach erhöhtes Risiko eine Angst – oder depressive Störung bzw. Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln. Dies sind „normale Reaktionen auf Extrembelastungen bzw. Traumatisierungen“. Das Befinden der Eltern ist entscheidend für das Wohlergehen des Kindes. Die psychische Gesundheit des Kindes beeinflusst wiederum seine körperliche Gesundheit und die ganzen körperlichen Heilungsprozesse. Das Ziel einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Betreuung ist es die Kinder und ihre Familien in der Verarbeitung und im „Durchstehen“ sowie beim Meistern der enormen Anpassungsleistungen auch längerfristig zu begleiten. Es geht darum Belastungssymptomen und psychischen Traumatisierungen vorzubeugen oder diese rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln und damit eine ganzheitliche gesunde Entwicklung des Kindes zu ermöglichen.

Dr. med. Phaedra Lehmann Scarponi
August 2013

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